Wer mit dem Elektroauto unterwegs ist und nicht zu Hause laden kann, kommt um die öffentliche Ladeinfrastruktur nicht herum. Das Netz wächst. Gleichzeitig wächst das Interesse daran, an Stationen zu laden, die ihren Strom aus Solarenergie beziehen. Denn der Preisunterschied zwischen öffentlichem Schnellladen und solargestütztem Laden ist erheblich.
Dieser Artikel erklärt, was Solarladestationen unterwegs leisten, wie sie sich von herkömmlichen Ladepunkten unterscheiden, was das Laden dort kostet und welche Alternativen es gibt, wenn man häufiger auf der Straße ist.
Das Wichtigste in Kürze:
- Deutschland hatte im Mai 2026 insgesamt 203.951 öffentliche Ladepunkte, davon 52.499 Schnellladepunkte.
- Das Schnellladen kostet im Schnitt rund 10,45 Euro auf 100 Kilometer.
- Solarladesäulen können günstiger sein, geben den Kostenvorteil aber nicht immer weiter.
- Solarcarports auf Supermarktparkplätzen wachsen stark und bieten oft günstigere Tarife.
- Mobile Solarmodule reichen nicht zum vollständigen Laden eines Elektroautos.
- Ladenetz-Apps helfen, günstigere Standorte gezielt zu finden.

Öffentliche Ladesäulen: Der Stand im Sommer 2026
Laut Bundesnetzagentur gab es in Deutschland im Mai 2026 insgesamt 203.951 öffentliche Ladepunkte, davon 52.499 Schnellladepunkte. Das Netz wächst kontinuierlich. Allein im ersten Halbjahr 2026 kamen rund 10.000 neue Ladepunkte hinzu.
| Anbieter | Schwerpunkt | Maximale Ladeleistung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Ionity | Autobahn, Langstrecke | bis 350 kW | Tarif günstiger mit Ionity-Abo |
| EnBW | Bundesweit, städtisch | bis 300 kW | Größtes Netz in Deutschland |
| Aral Pulse | Tankstellen | bis 300 kW | Kombination mit Tanken |
| Tesla Supercharger | Autobahn, Stadtzentren | bis 250 kW | Seit 2023 auch für Fremdmarken |
| Shell Recharge | Tankstellen, Autobahn | bis 175 kW | Roaming über viele Netze |
| Allego | Städtisch, Parkplätze | bis 175 kW | Oft an Einkaufszentren |
Das Bezahlen bleibt an vielen Standorten ein Ärgernis. Ladekarten, Apps, QR-Codes und unterschiedliche Tarife machen den spontanen Halt aufwendiger als nötig. Der ADAC fordert seit Jahren einheitlichere Abrechnungssysteme.
Was kostet das Laden unterwegs wirklich?
Der Preisunterschied zwischen verschiedenen Lademöglichkeiten ist groß. Die folgende Tabelle zeigt aktuelle Preise und die daraus resultierenden Kosten auf 100 Kilometer (Basis: 21,3 kWh Verbrauch):
| Ladeart | Typischer Preis pro kWh | Kosten pro 100 km | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Schnelllader ab 150 kW | 60 bis 80 Cent | 12,80 bis 17,04 Euro | Ad-hoc-Tarif ohne Abo |
| Schnelllader 50 kW | 45 bis 60 Cent | 9,59 bis 12,78 Euro | Mittlere Leistungsklasse |
| Normallader 11 kW | 30 bis 45 Cent | 6,39 bis 9,59 Euro | Günstiger, aber langsamer |
| Solarladesäule (günstig) | 20 bis 30 Cent | 4,26 bis 6,39 Euro | Wenn Betreiber Vorteil weitergibt |
| Haushaltsstrom | 31 Cent | 6,60 Euro | Referenzwert Heimladen |
Der Lichtblick Ladesäulencheck 2025 berechnete die mittleren Kosten für öffentliches Schnellladen mit 10,45 Euro auf 100 Kilometer. Das ist mehr als doppelt so viel wie das Heimladen mit Haushaltsstrom.
Was ist eine Solarladesäule?
Eine Solarladesäule bezieht ihren Strom ganz oder teilweise aus einer eigenen Photovoltaikanlage. Oft stehen diese Säulen unter einem Solardach oder sind direkt an eine Freiflächenanlage angeschlossen. Der erzeugte Solarstrom wird entweder direkt für den Ladevorgang genutzt oder in einem Batteriespeicher zwischengespeichert.
So ist eine typische Solarladestation aufgebaut:
- PV-Anlage auf dem Dach oder Carport-Dach (meist 20 bis 100 kWp Leistung)
- Wechselrichter zur Umwandlung des Gleichstroms in netzfähigen Wechselstrom
- Optionaler Batteriespeicher (10 bis 200 kWh je nach Standortgröße)
- Netzanschluss als Backup bei Solarstromausfall oder hoher Nachfrage
- Ladestation mit CCS, Typ 2 oder CHAdeMO-Anschluss
- Energiemanagementsystem zur Steuerung von Produktion, Speicher und Abgabe
Praktische Anwendungen gibt es vor allem auf Firmenparkplätzen, an Supermärkten, in Parkhäusern und an Autobahn-Rastplätzen.
Wie günstig ist das Laden an Solarstationen?
Die Kosten an Solarladesäulen variieren stark. Manche Betreiber geben den günstigeren Erzeugungspreis an die Nutzer weiter, andere nicht. Ein Beispiel: An einer solargespeisten 200-kW-Ladestation in Niedersachsen wurden im Sommer 2026 Preise von 0,25 Euro pro Kilowattstunde angeboten. Das liegt deutlich unter dem Schnellladedurchschnitt.
Warum ist der Kostenvorteil nicht überall sichtbar? Die Infrastrukturkosten für Säule, Speicher, Netzanschluss und Betrieb sind hoch. Viele Betreiber rechnen diese Kosten auf den Strompreis auf, selbst wenn der erzeugte Solarstrom günstig ist. Ein allgemeingültiger Solarstromtarif für öffentliche Ladepunkte existiert nicht.

Mobile Solaranlagen: Laden ganz ohne Netz
Neben festen Solarladestationen gibt es auch mobile Lösungen. Faltmodule mit 100 bis 400 Watt lassen sich im Kofferraum mitnehmen und bei Sonnenschein aufgestellt werden. In Kombination mit einer Powerstation sind kleinere Geräte oder das Bordnetz versorgbar.
Für das vollständige Laden eines Elektroautos reichen sie jedoch nicht. Ein Überblick:
| Mobilsolarmodul | Leistung | Tagesertrag sonnig | Reichweite E-Auto | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Kleines Faltmodul | 100 W | ca. 0,5 kWh | ca. 2 km | Bordgeräte, Notfall |
| Mittleres Faltmodul | 200 W | ca. 1 kWh | ca. 5 km | Wohnmobil, Camping |
| Großes Faltmodul | 400 W | ca. 2 kWh | ca. 9 km | Ergänzung unterwegs |
| Bedarf E-Auto 100 km | ca. 21 kWh | 100 km | Vollständiges Laden nicht möglich |
Mobile Solarmodule eignen sich daher eher als Ergänzung für Wohnmobile, Camper oder zur Versorgung von Bordgeräten auf längeren Touren, nicht als primäre Ladelösung.
Solarcarports: Der Parkplatz als Kraftwerk
Eine praxisnahe Lösung für unterwegs sind Solarcarports auf Firmen- oder Handelsparkplätzen. Der Pkw wird direkt unter einem Photovoltaikdach geparkt und lädt dabei. Das Fahrzeug steht oft stundenlang auf dem Parkplatz. Diese Zeit lässt sich nutzen, um mit Solarstrom zu laden, ohne dass der Nutzer aktiv etwas tun muss.
Vorteile von Solarcarports gegenüber normalen Ladesäulen:
- Fahrzeugbeschattung senkt die Innenraumtemperatur und reduziert Klimaanlagenverbrauch
- Solarstrom direkt vor Ort erzeugt, kurze Übertragungswege
- Betreiber können Strom günstiger anbieten, weil Erzeugungskosten niedriger sind
- Kombination mit Speicher ermöglicht Laden auch nach Sonnenuntergang
- Förderprogramme für gewerbliche Carport-Anlagen reduzieren Investitionskosten

Tipps für günstigeres Laden unterwegs
Wer regelmäßig außerhalb laden muss, kann die Kosten mit einigen gezielten Maßnahmen senken:
| Maßnahme | Sparpotenzial | Aufwand |
|---|---|---|
| Ladenetz-App nutzen (PlugSurfing, Chargemap, ADAC) | 10 bis 30 Cent pro kWh durch Preisvergleich | Gering |
| Ladekarte mit Flatrate oder Abo | 5 bis 20 Cent pro kWh bei Vielnutzern | Gering |
| Normalladen statt Schnellladen wählen | 10 bis 30 Cent pro kWh | Gering (mehr Zeit einplanen) |
| Am Arbeitsplatz oder beim Einkaufen laden | Oft kostenlos oder stark reduziert | Gering |
| Solarcarports gezielt anfahren | Bis zu 50% günstiger als Schnelllader | Mittel (Standorte recherchieren) |
| Nachts laden mit Nachtstromtarif | 5 bis 10 Cent pro kWh Ersparnis | Mittel (separater Zähler nötig) |
Solarcarports auf Supermarktparkplätzen: Was gerade gebaut wird
In Deutschland nimmt der Ausbau von Solarcarports auf Handelsparkplätzen Fahrt auf. Aldi, Lidl und Rewe haben begonnen, Parkplätze mit Solardächern auszustatten und gleichzeitig Ladepunkte zu integrieren. Für Kunden bedeutet das: Einkauf und Laden lassen sich verbinden, oft zu günstigeren Konditionen als an Schnellladeparks.
Wer einen großen Parkplatz mit Photovoltaik überdacht, kann den erzeugten Strom teils selbst nutzen, teils an Kunden verkaufen und teils ins Netz einspeisen. Je nach Standort und Ausrichtung erzeugen solche Anlagen mehrere hundert Kilowattstunden täglich. Für Nutzer ist das Angebot noch unübersichtlich: Welcher Supermarkt Solarstrom anbietet, lässt sich nicht zentral abfragen. Apps wie PlugSurfing oder Chargemap helfen, zeigen aber nicht immer die Stromherkunft an.

Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Solarautos im Alltag mit Strom umgehen, findet weiterführende Informationen im Artikel Wie alltagstauglich moderne Solarautos wirklich sind. Den direkten Vergleich zwischen Solarauto und klassischem Elektroauto bietet Solarauto oder Elektroauto: was lohnt sich mehr.
Fazit: Laden unterwegs wird günstiger, aber langsam
Solargestütztes Laden unterwegs ist kein Nischenthema mehr, aber noch weit von der Fläche entfernt. Das öffentliche Ladenetz wächst, die Preise an Schnellladern bleiben hoch und der Kostenvorteil von Solarstrom kommt nicht immer beim Kunden an.
Wer gezielt nach Solarladepunkten sucht und Ladenetz-Apps konsequent nutzt, kann heute schon deutlich günstiger laden als am herkömmlichen Schnelllader. Mit dem Ausbau von Solarcarports auf Handelsparkplätzen und der wachsenden Zahl günstigerer Solarladeangebote dürfte sich das Bild in den nächsten Jahren weiter verbessern.
Dieser Artikel ist redaktionell mit journalistischem Handwerk und etwas KI-Unterstützung erstellt worden.






























