Ja, Solarziegel und Solarglas gibt es wirklich. Sie sind keine Marketingvision, sondern kaufbare Produkte, die in Deutschland verbaut werden. Wer ein Haus neu baut oder das Dach ohnehin saniert, kann heute eine Dacheindeckung wählen, die gleichzeitig Strom erzeugt. Wer transparente Überdachungen plant, kann Glas verwenden, das Licht durchlässt und dabei Energie produziert.
Aber: Die Technologie hat klare Stärken und klare Grenzen. Wer das nicht kennt, kauft das Falsche zur falschen Zeit. Dieser Artikel erklärt, was Solarziegel und Solarglas wirklich leisten, was sie kosten, welche Hersteller in Deutschland tatsächlich liefern und für wen sie sich lohnen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Solarziegel ersetzen die klassische Dacheindeckung und erzeugen gleichzeitig Strom.
- Solarglas integriert Solarzellen in transparente Bauteile wie Überdachungen, Wintergärten oder Fassaden.
- Solarziegel kosten rund 400 bis 450 Euro pro Quadratmeter installiert, klassische Aufdach-PV rund 900 bis 1.500 Euro pro kWp.
- Das Tesla Solar Roof ist in Deutschland 2026 nicht regulär erhältlich. Autarq hat 2025 Insolvenz angemeldet und wird als Autarq SI GmbH weitergeführt.
- Solarziegel lohnen sich vor allem bei Neubau, Dachsanierung und Denkmalschutzauflagen.
- Bei intaktem Dach ist eine klassische Aufdach-PV-Anlage fast immer wirtschaftlicher.

Was Solarziegel sind und wie sie funktionieren
Ein Solardachziegel vereint zwei Bauteile in einem: Er übernimmt die Funktion eines herkömmlichen Dachziegels als Wetterschutz und erzeugt dabei wie ein Solarmodul Strom. Die Solarzellen sind direkt in den Ziegel integriert, nicht wie bei Aufdachanlagen auf einem separaten Rahmen aufgesetzt.
Die Geschichte beginnt 1993 mit einer Patentanmeldung aus Konstanz. Heute sind die Produkte ausgereift. Moderne Solarziegel bestehen je nach Hersteller aus Keramik, Quarzglas, Kunststoff oder Schiefer. Jeder Ziegel ist ein eigenständiges Minisolarmodul mit integrierter Elektrik.
Der erzeugte Gleichstrom fließt über Steckverbindungen zwischen den Ziegeln zum Wechselrichter, der ihn in haushaltsüblichen Wechselstrom umwandelt. Von dort läuft er ins Hausnetz oder in den Batteriespeicher.

Welche Hersteller in Deutschland tatsächlich liefern
Der Markt ist kleiner als er wirkt. Viele Namen kursieren, aber nicht alle sind in Deutschland regulär und zuverlässig erhältlich.
| Hersteller | Produkt | Status Deutschland 2026 | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Autarq / Autarq SI GmbH | Solardachziegel | Lieferbar, nach Insolvenz als SI GmbH weitergeführt | Marktführer, Garantie nur so belastbar wie Unternehmen |
| Nelskamp | G10 PV, Planum PV | Lieferbar, überwiegend positive Erfahrungsberichte | Klassischer Dachziegelhersteller mit PV-Integration |
| BMI Braas | PV Premium Plus | Lieferbar | 30 Jahre Leistungsgarantie auf 80 Prozent |
| Wienerberger / Wevolt | Wevolt (ehemals WattWerk) | Lieferbar über wienerberger.de | 25 Jahre Produkt- und Leistungsgarantie |
| SolteQ | Quarzglas-Biberschwanz | Lieferbar, organisatorischer Mehraufwand möglich | 40 Jahre Leistungsgarantie laut Hersteller |
| Paxos | Performance Biber | Lieferbar | Biberschwanz-System |
| Tesla Solar Roof | Solar Roof V3 | In Deutschland faktisch nicht erhältlich | Kein regulärer Vertrieb, keine Installationsinfrastruktur |
| SunRoof | Solardach | Hat sich aus Deutschland zurückgezogen | Nicht mehr verfügbar |
Wichtiger Hinweis zu Autarq: Die Autarq GmbH leitete im Juni 2025 ein Insolvenzverfahren ein. Das Geschäft wird heute von der Autarq SI GmbH weitergeführt. Für Bauherren bedeutet das: Die Technik existiert weiter, aber 25-Jahres-Garantieversprechen sollten realistisch bewertet werden. Vor dem Kauf lohnt es sich zu fragen, wer die Garantie im Ernstfall trägt und wie die Ersatzteilversorgung geregelt ist.
Zu Tesla: Das Solar Roof ist in Deutschland 2026 faktisch nicht bestellbar. Es gibt keinen flächendeckenden Vertrieb, keine nennenswerte Installationsinfrastruktur und keinen offiziellen Markteinführungstermin. Wer mit Tesla-Produkten plant, sollte das einkalkulieren.
Was Solarziegel kosten und was das bedeutet
Solarziegel sind teurer als klassische Aufdach-PV. Aber der Vergleich muss richtig angestellt werden.
| Technologie | Kosten pro m² | Kosten pro kWp | Leistung pro m² | Gesamtkosten Einfamilienhaus (50 m² aktive Fläche) |
|---|---|---|---|---|
| Aufdach-PV-Anlage | 130 bis 200 Euro | 900 bis 1.500 Euro | 200 bis 220 Wp | 10.000 bis 20.000 Euro |
| Solarziegel (Standard) | 400 bis 450 Euro | 3.300 bis 3.800 Euro | ca. 120 Wp | 20.000 bis 35.000 Euro |
| Solarziegel (Premium) | ab 500 Euro | über 4.000 Euro | ca. 120 bis 180 Wp | über 35.000 Euro |
| Klassische Dacheindeckung (Vergleich) | 100 bis 150 Euro | entfällt | 0 Wp | 5.000 bis 15.000 Euro |
Der entscheidende Punkt beim Kostenvergleich: Wer ohnehin das Dach neu eindecken muss, kann die Kosten der herkömmlichen Dacheindeckung von den Solarziegel-Kosten abziehen. Die tatsächlichen Mehrkosten für die PV-Funktion betragen dann rund 250 Euro pro Quadratmeter statt 400 bis 450 Euro. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit erheblich.
Bei intaktem Dach ohne Sanierungsbedarf sieht die Rechnung anders aus: Dann kommen die vollen Kosten für die Solarziegel oben drauf, und eine Aufdach-Anlage wäre deutlich günstiger gewesen.

Leistung und Effizienz: Was Solarziegel wirklich erzeugen
Solarziegel sind weniger effizient als Aufdach-Module. Das liegt an zwei Faktoren: Der Formfaktor des Ziegels schränkt die mögliche Zellfläche ein, und die Ausrichtung ist festgelegt durch die Dachneigung und Dachausrichtung.
| Technologie | Leistung pro m² | Wirkungsgrad | Jahresertrag pro 50 m² | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Aufdach-Module (modern) | 200 bis 225 Wp | bis 22 Prozent | 8.500 bis 11.000 kWh | Optimale Ausrichtung möglich |
| Solardachziegel (Autarq) | ca. 120 Wp | ca. 10 bis 14 Prozent | 5.000 bis 7.000 kWh | Ausrichtung durch Dach vorgegeben |
| Solardachziegel (Nelskamp) | ca. 130 bis 150 Wp | ca. 12 bis 15 Prozent | 5.500 bis 7.500 kWh | Verschiedene Dachformate |
Für dieselbe installierte Leistung braucht man mit Solarziegeln deutlich mehr Dachfläche als mit Aufdach-Modulen. Wer also ein kleines Dach hat, bekommt mit Ziegeln weniger Leistung aus derselben Fläche heraus.
Design und Ästhetik: Wann Solarziegel ihre Stärke ausspielen
Der eigentliche Vorteil von Solarziegeln liegt nicht in der Effizienz, sondern im Erscheinungsbild. Aus der Straße betrachtet unterscheidet sich ein Solarziegeldach kaum von einem herkömmlichen Ziegeldach. Keine sichtbaren Rahmen, keine aufgesetzten Modulreihen.

Das ist besonders relevant bei:
- Denkmalgeschützten Gebäuden, bei denen klassische Aufdach-Module oft nicht genehmigt werden. Die Zulässigkeit wird im Einzelfall mit der Denkmalbehörde entschieden.
- Neubauten in Gebieten mit strengen gestalterischen Vorgaben im Bebauungsplan.
- Eigenheimen, bei denen das optische Erscheinungsbild des Daches wichtig ist.
Wichtig: Denkmalschutz bedeutet nicht automatisch, dass Solarziegel genehmigt werden. Auch das ist im Einzelfall zu prüfen. Solarziegel bieten aber in solchen Fällen eine bessere Ausgangslage als klassische Module.
Was Solarglas ist und wo es eingesetzt wird
Solarglas ist ein anderes Produkt für einen anderen Anwendungsfall. Hier sind Solarzellen in Glasscheiben eingebettet, die trotzdem transparent bleiben. Die Lichtdurchlässigkeit liegt je nach Produkt bei 10 bis 70 Prozent.
Typische Anwendungsfälle:
- Terrassenüberdachungen und Wintergärten
- Carports und Fahrradunterstände
- Glasfassaden bei Bürogebäuden
- Lärmschutzwände entlang von Straßen und Bahntrassen
- Bushaltestellen und überdachte Freiflächen

Der Wirkungsgrad von Solarglas ist niedriger als bei opaken Solarmodulen, weil ein Teil des Lichts durchgelassen werden muss. Je mehr Licht durchgelassen wird, desto weniger Energie wird erzeugt. Für Überdachungen ist das kein Problem, weil die Glasfläche ohnehin vorhanden und geplant war. Der Strom kommt gratis dazu.
Solarglas ist meist eine Maßanfertigung und wird projektbezogen kalkuliert. Pauschale Preisangaben pro Quadratmeter sind daher wenig aussagekräftig.
Installation: Was der Aufwand bedeutet
Solarziegel sind aufwendiger zu installieren als Aufdach-Module. Jeder einzelne Ziegel muss elektrisch verbunden werden. Bei 12 bis 14 Elementen pro Quadratmeter entstehen bei einem 50-Quadratmeter-Dach rund 600 bis 700 einzelne Verbindungen.
| Aspekt | Solardachziegel | Solarglas | Aufdach-Module |
|---|---|---|---|
| Installationszeit | Mehrere Tage länger | Projektabhängig | 1 bis 3 Tage |
| Benötigte Fachkräfte | Dachdecker und Elektriker | Glasbauer und Elektriker | PV-Fachbetrieb |
| Dacheindeckung nötig | Kompletter Austausch | Nein | Nein |
| Fehlersuche bei Defekt | Aufwendig (viele Verbindungen) | Mittel | Einfach |
| Nachrüstung möglich | Nur bei Dachsanierung sinnvoll | Ja, bei neuen Glasflächen | Jederzeit |
Förderung und steuerliche Regelungen
Solarziegel werden wie jede PV-Anlage gefördert. Folgende Regelungen gelten:
- Mehrwertsteuer: 0 Prozent auf Lieferung und Installation nach § 12 Abs. 3 UStG seit 2023
- KfW-Kredit 270: Finanziert Solarziegel inklusive der notwendigen Dacherneuerung
- EEG-Einspeisevergütung: 7,78 Cent pro kWh bei Teileinspeisung für Anlagen bis 10 kWp (Stand Februar 2026)
Die Förderung macht Solarziegel nicht günstig, aber etwas weniger teuer. Der KfW-Kredit ist besonders interessant, weil er die Dacherneuerungskosten mitfinanziert und nicht nur die PV-Komponente.
Für wen sich Solarziegel lohnen und für wen nicht
| Situation | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Neubau | Solarziegel sinnvoll prüfen | Dacheindeckungskosten entfallen, Aufpreis reduziert sich |
| Dachsanierung ohnehin geplant | Solarziegel sinnvoll prüfen | Gleiche Logik wie Neubau, Mehrkosten überschaubar |
| Denkmalschutz | Solarziegel als Option prüfen | Oft genehmigungsfähiger als Aufdach-Module, Einzelfall klären |
| Intaktes Dach, keine Sanierung | Aufdach-PV empfohlen | Solarziegel würden intaktes Dach erfordern, unwirtschaftlich |
| Maximale Effizienz auf begrenzter Fläche | Aufdach-PV empfohlen | Solarziegel liefern pro m² deutlich weniger Leistung |
| Terrassenüberdachung oder Carport | Solarglas prüfen | Transparenz und Stromerzeugung kombinierbar |
Wer mehr über klassische PV-Anlagen auf dem Dach erfahren möchte, findet alle Informationen im Artikel So funktioniert eine Solaranlage im Einfamilienhaus. Wie Solarstrom im Haushalt konkret eingesetzt wird, zeigt Kühlschrank, Licht und WLAN mit Sonne betreiben.
Fazit: Nischenprodukt mit klarem Anwendungsfeld
Solarziegel und Solarglas sind reale Produkte, keine Zukunftsvision. Aber sie sind Nischenprodukte mit einem klar umrissenen Anwendungsfeld: Neubau, Dachsanierung und Denkmalschutz. Wer in diesen Situationen ist und optische Integration wichtiger findet als maximale Effizienz und minimale Kosten, hat mit Solarziegeln eine echte Alternative.
Für alle anderen Fälle ist eine klassische Aufdach-PV-Anlage wirtschaftlich sinnvoller. Die ist billiger, effizienter und schneller installiert.
Der Markt hat sich 2025 und 2026 konsolidiert. Tesla ist in Deutschland nicht erhältlich, Autarq hat Insolvenz angemeldet. Die verbleibenden Hersteller Nelskamp, BMI Braas, Wienerberger und SolteQ sind etabliert und liefern zuverlässig. Wer kauft, sollte Garantiebedingungen genau lesen und mehrere Angebote einholen.
Dieser Artikel ist redaktionell mit journalistischem Handwerk und etwas KI-Unterstützung erstellt worden.
























