Ein Solarmodul hat normalerweise eine aktive Seite: die Vorderseite zeigt zur Sonne, die Rückseite ist undurchsichtig. Bei bifazialen Modulen ist die Rückseite ebenfalls aktiv. Sie erzeugen Strom auf beiden Seiten gleichzeitig – vorne durch direktes Sonnenlicht, hinten durch Licht das vom Untergrund zurückgestrahlt wird.
Das klingt nach einer kleinen technischen Variation, hat aber konkrete Auswirkungen auf den Jahresertrag einer Anlage – sofern die Bedingungen stimmen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Bifaziale Module erzeugen je nach Untergrund und Montage 4 bis 25 Prozent mehr Strom als vergleichbare monofaziale Module.
- Der Mehrpreis liegt 2026 nur noch bei 3 bis 12 Prozent gegenüber monofazialen Modulen – nahezu Preisparität.
- Großhandelspreise: rund 0,18 bis 0,24 Euro pro Wattpeak.
- TOPCon hat 2025 PERC als meistverkaufte Zelltechnologie abgelöst. Fast alle neuen bifazialen Module basieren auf TOPCon oder HJT.
- Auf Schrägdächern mit dunklen Ziegeln bringt der Rückseiteneffekt kaum etwas – hier lohnt sich der Aufpreis selten.
- Auf Flachdächern mit heller Folie, Carports und Freiflächen sind 15 bis 25 Prozent Mehrertrag realistisch.

Wie bifaziale Module funktionieren
Das Funktionsprinzip basiert auf dem Albedo-Effekt. Albedo beschreibt das Rückstrahlvermögen einer Oberfläche: Wie viel Prozent des auftreffenden Lichts wird zurückgeworfen?
Weißer Kies reflektiert bis zu 70 Prozent des Lichts. Dieser Anteil trifft auf die Rückseite des Moduls und erzeugt dort zusätzlichen Strom. Dunkler Asphalt reflektiert nur 10 bis 15 Prozent – kaum genug, um einen messbaren Mehrertrag zu erzielen.
| Untergrund | Albedo-Wert | Realistischer Mehrertrag |
|---|---|---|
| Neuschnee | 75 bis 90 Prozent | 20 bis 30 Prozent |
| Weiße Dachbahn / helle Folie | 60 bis 80 Prozent | 18 bis 25 Prozent |
| Weißer Kies / heller Splitt | 40 bis 60 Prozent | 12 bis 20 Prozent |
| Beton (hell) | 25 bis 40 Prozent | 8 bis 12 Prozent |
| Hellgrüner Rasen | 20 bis 30 Prozent | 5 bis 10 Prozent |
| Dunkle Ziegel / Dachpappe | 10 bis 20 Prozent | 4 bis 8 Prozent |
| Asphalt | 10 bis 15 Prozent | unter 5 Prozent |
Neben dem Albedo-Wert entscheidet der Bodenabstand über den Mehrertrag. Je mehr Abstand zwischen Modulrückseite und Untergrund, desto größere Fläche kann reflektiertes Licht einsammeln. Mindestens 20 bis 30 cm Abstand sind erforderlich, ideal sind 50 cm oder mehr.

Welche Zelltechnologien dahinterstecken
Bifaziale Module gibt es in verschiedenen Zelltechnologien. 2026 dominieren zwei Varianten:
TOPCon (Tunnel Oxide Passivated Contact) hat 2025 PERC als meistverkaufte Zelltechnologie weltweit abgelöst. TOPCon-Zellen erreichen in der Serienproduktion Wirkungsgrade von 23,2 bis 23,8 Prozent und Bifazialitätsfaktoren von 80 bis 90 Prozent. Das bedeutet: Die Rückseite liefert 80 bis 90 Prozent der Nennleistung der Vorderseite, wenn sie gleich viel Licht bekommt.
HJT (Heterojunction) ist die hochwertigere Variante. HJT-Module erreichen Bifazialitätsfaktoren von bis zu 95 Prozent und niedrigere Temperaturkoeffizienten – sie verlieren bei hohen Temperaturen weniger Leistung als TOPCon. Der Preis liegt entsprechend höher.
PERC-bifazial ist noch am Markt, wird aber zunehmend durch TOPCon verdrängt. Der Bifazialitätsfaktor liegt bei etwa 70 Prozent.
| Zelltechnologie | Wirkungsgrad (Modul) | Bifazialitätsfaktor | Preislage | Leistungsgarantie |
|---|---|---|---|---|
| TOPCon bifazial | 22 bis 24 Prozent | 80 bis 90 Prozent | 0,18 bis 0,22 €/Wp | 30 Jahre |
| HJT bifazial | 22 bis 25 Prozent | 90 bis 95 Prozent | 0,22 bis 0,30 €/Wp | 30 Jahre |
| PERC bifazial | 20 bis 22 Prozent | ca. 70 Prozent | 0,15 bis 0,20 €/Wp | 25 bis 30 Jahre |
Aufbau: Warum fast alle bifazialen Module Glas-Glas sind
Damit die Rückseite aktiv sein kann, muss sie transparent sein. Bei monofazialen Modulen schützt eine weiße Kunststofffolie die Rückseite – die ist undurchsichtig und hält Licht ab. Bei bifazialen Modulen ersetzt eine zweite Glasscheibe diese Folie.
Das Glas-Glas-Prinzip bringt weitere Vorteile mit sich: Die Konstruktion ist robuster gegen Feuchtigkeit, UV-Strahlung und mechanische Belastung. Hersteller geben auf Glas-Glas-Module in der Regel 30 Jahre Leistungsgarantie, während Glas-Folie-Module meist auf 25 Jahre kommen.
Nachteil: Das zweite Glas macht das Modul schwerer. Ein typisches 450-Wp-bifaziales Modul wiegt 25 bis 30 Kilogramm gegenüber 20 bis 22 Kilogramm bei einem vergleichbaren Glas-Folie-Modul. Das ist bei der Dach- und Carportstatik zu berücksichtigen.

Wann sich bifaziale Module lohnen und wann nicht
Die wichtigste Frage vor dem Kauf: Kann der Rückseiteneffekt bei der geplanten Installation überhaupt wirksam werden?
| Installationssituation | Mehrertrag realistisch | Empfehlung |
|---|---|---|
| Flachdach mit heller Dachbahn | 15 bis 25 Prozent | Sehr sinnvoll |
| Freiflächenanlage auf hellem Untergrund | 12 bis 25 Prozent | Sehr sinnvoll, Standard bei Großanlagen |
| Solar-Carport mit hellem Pflaster | 10 bis 18 Prozent | Sinnvoll |
| Aufgeständert auf hellem Kies | 12 bis 20 Prozent | Sinnvoll |
| Balkonkraftwerk vor heller Wand | 8 bis 15 Prozent | Bedingt sinnvoll |
| Schrägdach (Südausrichtung, dunkle Ziegel) | 4 bis 8 Prozent | Aufpreis selten gerechtfertigt |
| Dachparallele Montage (flach auf Dach) | unter 5 Prozent | Nicht empfohlen |
Auf klassischen Schrägdächern mit dunklen Ziegeln ist der Mehrertrag minimal. Die Rückseite des Moduls liegt nah am Dach, bekommt kaum reflektiertes Licht und der Bodenabstand ist gering. Hier ist ein hochwertiges monofaziales Modul oft die bessere Wahl.

Preise und Wirtschaftlichkeit
Die Preisparität zwischen bifazialen und monofazialen Modulen ist 2026 nahezu erreicht. Großhandelspreise für bifaziale TOPCon-Module liegen bei rund 0,18 bis 0,24 Euro pro Wattpeak. Der Mehrpreis gegenüber vergleichbaren monofazialen Modulen beträgt je nach Hersteller noch 3 bis 12 Prozent.
Bei einer 10-kWp-Anlage entspricht das einem Modulaufpreis von rund 700 bis 1.500 Euro. Unter geeigneten Bedingungen – heller Untergrund, ausreichend Bodenabstand – amortisiert sich dieser Mehrpreis durch den Mehrertrag in zwei bis vier Jahren.
| Szenario | Anlagenleistung | Modulaufpreis bifazial | Jahres-Mehrertrag (15%) | Amortisation Aufpreis |
|---|---|---|---|---|
| Flachdach günstig | 10 kWp | ca. 700 Euro | ca. 1.350 kWh = ca. 500 Euro | ca. 1,5 Jahre |
| Flachdach teurer | 10 kWp | ca. 1.500 Euro | ca. 1.350 kWh = ca. 500 Euro | ca. 3 Jahre |
| Schrägdach dunkle Ziegel | 10 kWp | ca. 1.000 Euro | ca. 450 kWh = ca. 165 Euro | ca. 6 Jahre |
Führende Hersteller
Der Markt für bifaziale Module wird von chinesischen Herstellern dominiert. Die wichtigsten Anbieter mit bifazialen TOPCon-Modulen 2026:
- LONGi Solar – Hi-MO-Serie, Bifazialitätsfaktor 80 bis 85 Prozent
- JinkoSolar – Tiger Neo-Serie, TOPCon, über 23 Prozent Wirkungsgrad
- JA Solar – Deep Blue-Serie, konstant hohe Bifazialitätsfaktoren in unabhängigen Tests
- Trina Solar – Vertex S+-Serie, TOPCon mit 80 bis 85 Prozent Bifazialitätsfaktor
- Aiko Solar – ABC-Zellen, besonders hohe Wirkungsgrade über 24 Prozent
Europäische Hersteller wie Meyer Burger und Heckert Solar bieten ebenfalls bifaziale Module an. Sie punkten mit kürzeren Lieferketten und Made-in-EU-Zertifizierung, liegen preislich aber deutlich über den chinesischen Herstellern.

Montage: Was beim Einbau zu beachten ist
Bifaziale Module brauchen mehr Aufmerksamkeit bei der Planung als monofaziale. Vier Punkte sind entscheidend:
Bodenabstand: Mindestens 20 bis 30 cm, besser 50 cm oder mehr. Je größer der Abstand, desto mehr Fläche steht für die Reflexion zur Verfügung.
Unterkonstruktion: Die Halterungen sollten möglichst schlank sein und keinen unnötigen Schatten auf die Rückseite werfen. Spezielle Montagesysteme für bifaziale Module minimieren die Abschattung.
Untergrund optimieren: Wer einen hellen Untergrund wählt oder vorhandenen Untergrund aufhellt – zum Beispiel durch weiße Kiesschüttung auf einem Flachdach – steigert den Mehrertrag spürbar.
Kabelführung: Auch die Kabel sollten so verlegt werden, dass kein Schatten auf die Rückseite fällt.
Wie bifaziale Module in Solar-Carports eingesetzt werden und was dort zu beachten ist, erklärt der Artikel Solar-Carport: Kosten, Ertrag, Baugenehmigung und Wirtschaftlichkeit. Wie Floating-PV-Anlagen auf Gewässern von der hohen Albedo des Wassers profitieren, zeigt Floating-Solaranlagen: Strom von Seen und Stauseen.
Fazit: Standard auf Freiflächen, bedingt sinnvoll auf Schrägdächern
Bifaziale Module sind bei Großfreiflächen- und Gewerbeanlagen längst Standard. Im Utility-Segment machen sie über 70 Prozent des Marktes aus. Für Privathaushalte ist die Entscheidung differenzierter.
Der Aufpreis ist 2026 so gering geworden, dass bifaziale Module auf Flachdächern, Carports und Freiflächen mit hellem Untergrund fast immer die bessere Wahl sind. Auf klassischen Schrägdächern mit dunklen Ziegeln ist der Mehrertrag zu gering, um den Aufpreis in sinnvoller Zeit zurückzuspielen. Ein hochwertiges monofaziales TOPCon-Modul ist dort oft das bessere Argument.
Dieser Artikel ist redaktionell mit journalistischem Handwerk und etwas KI-Unterstützung erstellt worden.
























