Wer eine Terrasse überdachen, einen Carport bauen oder eine Glasfassade gestalten möchte, stößt früher oder später auf transparente Solarmodule. Sie lassen Licht durch und erzeugen dabei Strom. Das klingt ideal, hat aber klare Grenzen bei Effizienz und Kosten. Dieser Artikel erklärt, wie die Technologie funktioniert, welche Hersteller tatsächlich liefern und für wen sich der Mehrpreis lohnt.
Das Wichtigste in Kürze:
- Transparente Solarmodule erzeugen weniger Strom als opake Module: je nach Transparenzgrad 30 bis 60 Prozent weniger Leistung pro Quadratmeter.
- Lichtdurchlässigkeit (VLT) liegt je nach Modell zwischen 10 und 40 Prozent.
- Aktive deutsche Hersteller: Solarwatt (Dresden) und Sonnenstromfabrik (Wismar). Das Aleo-Werk Prenzlau wurde 2025 geschlossen.
- Preise: 150 bis 650 Euro pro Modul, ein solares Terrassendach (20 m²) kostet inklusive Montage rund 8.000 bis 12.000 Euro.
- Amortisationszeit: 15 bis 25 Jahre, deutlich länger als bei klassischen Dachanlagen.
- Sinnvoll vor allem dort, wo ohnehin eine Glasfläche geplant ist: Terrassendach, Wintergarten, Carport, Glasfassade.

Wie transparente Solarmodule funktionieren
Eine Solarzelle selbst ist nicht durchsichtig. Sie absorbiert Licht, um daraus Strom zu machen. Transparenz entsteht deshalb nicht durch die Zelle selbst, sondern auf zwei verschiedene Arten:
Bei semitransparenten Modulen mit monokristallinen oder polykristallinen Zellen werden die Solarzellen mit definierten Abständen im Glaslaminat eingebettet. Zwischen den Zellen scheint Licht hindurch. Je größer der Abstand, desto mehr Licht gelangt durch das Modul, desto weniger Fläche ist mit Zellen belegt und desto geringer ist der Ertrag.
Bei volltransparenten Modulen kommen andere Materialien zum Einsatz: organische Halbleiter oder Dünnschichttechnologien, die das für Menschen sichtbare Licht weitgehend durchlassen, aber UV- oder Infrarotanteile absorbieren. Der Wirkungsgrad dieser Technologien ist deutlich niedriger als bei kristallinen Zellen.
| Technologie | Wirkungsgrad | Lichtdurchlass (VLT) | Optik | Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| Monokristallin semitransparent | 15 bis 20 % | 10 bis 40 % | Dunkle Zellmuster sichtbar | Terrassendach, Carport, Fassade |
| Polykristallin semitransparent | 12 bis 16 % | 10 bis 35 % | Blauer Schimmer | Kostengünstigere Alternative |
| Dünnschicht (z.B. CdTe, CIGS) | 10 bis 15 % | bis 30 % | Getönte Volltransparenz | Großflächige Fassaden, Bürogebäude |
| Organische Solarzellen (OPV) | 7 bis 8 % | bis 70 % | Annähernd farblos | Fensterintegration, Forschung |
Aufbau: Was in einem transparenten Modul steckt
Ein semitransparentes Glas-Glas-Modul besteht typischerweise aus zwei Glasschichten, zwischen denen die Solarzellen eingebettet sind. Als Einbettmaterial dient EVA (Ethylenvinylacetat) oder PVB (Polyvinylbutyral), beides durchsichtige Folienmaterialien. Anstelle der weißen Rückseitenfolie klassischer Module kommt eine zweite Glasscheibe zum Einsatz.
Für den Einsatz als begehbares Element, als Überkopfverglasung oder als Fassadenelement gelten besondere Anforderungen. Solche Module brauchen eine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt). Diese bescheinigt, dass das Modul für den jeweiligen Einsatzzweck statisch und sicherheitstechnisch geeignet ist.

Welche Hersteller tatsächlich liefern
Der Markt für transparente Solarmodule ist übersichtlich. Viele im Netz genannte Hersteller sind nicht mehr aktiv oder liefern nicht nach Deutschland.
| Hersteller | Herkunft | Status | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Solarwatt Panel vision sky | Dresden, Deutschland | Aktiv, Standardsortiment | Glas-Glas, abZ, 30 Jahre Garantie auf 87% Leistung |
| Sonnenstromfabrik Diamond | Wismar, Deutschland | Aktiv, hohe Leistung | Bis 415 Wp pro Modul, DIBt-abZ |
| SoliTek SOLID Bifacial transparent | Vilnius, Litauen | Aktiv, EU-Fertigung | DIBt-abZ, Cradle-to-Cradle-Zertifizierung |
| Aleo Elegante G40C210 | Prenzlau (Werk 2025 geschlossen) | Nur noch Restbestand verfügbar | 28% VLT, rahmenlos, abZ vorhanden |
| Onyx Solar | Spanien | Aktiv, Maßfertigung | VLT 0 bis 75% einstellbar, ab wenigen Modulen |
| Ertex Solar | Niederösterreich | Aktiv, Spezialfertigung | Bis 900 Wp, BIPV-Award-Träger |
Wer ein deutsches Modul mit aktivem Hersteller-Support sucht, ist bei Solarwatt oder Sonnenstromfabrik am besten aufgehoben. Für Maßfertigungen bei individuellen Fassadengeometrien sind Onyx Solar und Ertex Solar die etablierten Ansprechpartner.

Anwendungsfälle: Wo transparente Module sinnvoll sind
Transparente Solarmodule machen vor allem dort Sinn, wo ohnehin eine Glasfläche geplant ist. Wer eine opake Fläche durch ein semitransparentes Modul ersetzt, gibt Ertrag ab ohne Mehrwert beim Lichteinfall zu bekommen.
| Anwendung | Sinnvoll? | Begründung |
|---|---|---|
| Terrassendach (Glasdach geplant) | Ja | Glasdach wird durch Solarmodul ersetzt, kein Mehraufwand |
| Carport-Überdachung | Ja | Überdachung nötig, Strom als Bonus, gut für E-Auto-Laden |
| Wintergarten-Glasdach | Ja, mit Einschränkungen | Lichtreduktion beachten – zu wenig VLT lässt Pflanzen leiden |
| Glasfassade Bürogebäude | Ja | Klassisches BIPV-Einsatzfeld, großflächige Ertragsmöglichkeit |
| Dachanlage statt opaker Module | Nein | Deutlich weniger Ertrag bei höheren Kosten, kein Mehrwert |
| Fensterintegration | Bedingt | Organische Module möglich, aber sehr geringer Wirkungsgrad |
Für Wintergärten gilt besondere Sorgfalt: Pflanzen brauchen Licht. Ein Modul mit 15 Prozent VLT lässt nur wenig Tageslicht durch und ist für viele Pflanzenarten zu dunkel. Für einen Wintergarten mit Pflanzen sollte der VLT-Wert der Module mindestens 30 Prozent betragen.

Kosten und Wirtschaftlichkeit
Transparente Solarmodule kosten mehr als opake Module und liefern weniger Strom pro Quadratmeter. Die Wirtschaftlichkeit ergibt sich nur dann, wenn die Alternative eine konventionelle Glasüberdachung ohne Stromerzeugung wäre.
Typische Kostenpunkte:
- Einzelmodul: 150 bis 650 Euro je nach Hersteller, Leistung und Transparenzgrad
- Solares Terrassendach (20 m²): 8.000 bis 12.000 Euro inklusive Unterkonstruktion und Montage
- Maßgefertigte BIPV-Fassadenelemente: projektabhängig, oft ab 500 Euro pro Quadratmeter
- Aufpreis gegenüber konventionellem Glasdach: 30 bis 80 Prozent
Der Jahresertrag eines 20-m²-Terrassendachs mit semitransparenten Modulen (angenommen 100 Wp/m², 20% VLT) liegt je nach Standort und Ausrichtung bei rund 1.000 bis 1.400 kWh. Bei einem Strompreis von 37 Cent ergibt das eine potenzielle Ersparnis von 370 bis 520 Euro pro Jahr, wenn der Strom selbst verbraucht wird.
Die Amortisationszeit liegt bei einem Aufpreis von 3.000 bis 5.000 Euro gegenüber einem konventionellen Glasdach bei rund 6 bis 14 Jahren. Verglichen mit dem Gesamtinvestment von 8.000 bis 12.000 Euro sind es 15 bis 25 Jahre, bis die komplette Anlage sich amortisiert hat.

Wie und wo kaufen
Transparente Solarmodule sind kein Produkt, das man einfach im Online-Shop bestellt und selbst montiert. Der Kaufprozess unterscheidet sich je nach Hersteller und Anwendungsfall erheblich.
Solarwatt verkauft ausschließlich über sein autorisiertes Fachpartnernetzwerk. Direkt beim Hersteller bestellen ist nicht möglich. Der erste Schritt ist der Kontakt zu einem Solarwatt-Fachpartner, der Aufmaß, Planung und Angebot übernimmt. Sonnenstromfabrik funktioniert ähnlich: Vertrieb über Fachbetriebe und Großhändler, kein Direktverkauf an Endkunden.
Für Standardmodelle gibt es bei spezialisierten Online-Händlern wie Münchner Solarmarkt oder SolarSale24 semitransparente Glas-Glas-Module zu kaufen – allerdings oft ohne abZ für Überkopfverglasung. Diese Module eignen sich für Montagen an Balkongeländern oder senkrechten Flächen, nicht als tragende Dachelemente.
Maßfertigungen von Onyx Solar oder Ertex Solar laufen über eine Projektanfrage: Aufmaß einreichen, Konfiguration festlegen (VLT, Glasaufbau, Modulformat), Statiknachweis beibringen, dann Angebot und Freigabemuster. Lieferzeiten betragen 6 bis 20 Wochen. Kleinstmengen ab wenigen Modulen sind bei Onyx Solar möglich, verteuern aber das Einzelmodul erheblich.
Das praktische Problem für Privatpersonen: Ein transparentes Solarmodul als Terrassendach erfordert gleichzeitig Kenntnisse im Glasbau und in der Photovoltaik. Dachdecker ohne PV-Erfahrung und PV-Installateure ohne Glasbauerfahrung können das jeweils nur zur Hälfte umsetzen. Spezialisierte BIPV-Fachbetriebe, die beides beherrschen, sind die richtige Anlaufstelle – und sie sind die Voraussetzung für eine normkonforme Ausführung mit abZ-Modulen.
Was beim Kauf zu beachten ist
Die bauaufsichtliche Zulassung (abZ) ist für Überkopfverglasungen und tragende Konstruktionen Pflicht. Ohne abZ dürfen solche Module nicht als Dachelemente eingesetzt werden. Solarwatt, Sonnenstromfabrik und SoliTek haben entsprechende Zulassungen.
Der gewünschte VLT-Wert sollte vor dem Kauf feststehen. Ein Terrassendach ohne Pflanzen verträgt 15 bis 20 Prozent VLT gut. Ein Wintergarten mit Pflanzen braucht mindestens 30 Prozent. Fassadenelemente können mit niedrigem VLT betrieben werden.
Die Montage erfordert Fachbetriebe mit Erfahrung in Glasbauten und Photovoltaik gleichzeitig. Normale Installateure ohne BIPV-Erfahrung können beide Anforderungen nicht vollständig abdecken.
Maßfertigungen haben Lieferzeiten von 6 bis 20 Wochen und erfordern exakte Aufmaße sowie Statikberechnungen bereits vor der Bestellung.
Wie transparentes Solarglas sich von klassischen Solarmodulen auf dem Dach unterscheidet, erklärt der Artikel Solarziegel und Solarglas: Was sie leisten, was sie kosten und für wen sie sich lohnen. Wie flexible Solarfolien als weitere Alternative für besondere Flächen funktionieren, zeigt Flexible Solarfolien und Perowskit: Was die neue Generation der Solartechnik kann.
Fazit: Richtig geplant ein echter Mehrwert
Transparente Solarmodule sind kein Ersatz für klassische Dachanlagen. Wer maximalen Ertrag auf begrenzter Fläche will, ist mit opaken Modulen besser bedient. Wer aber ohnehin eine Glasüberdachung plant und dabei Strom erzeugen möchte, bekommt mit transparenten Modulen eine technisch ausgereifte und optisch attraktive Lösung.
Die Voraussetzung ist eine klare Planung: richtiger Hersteller mit gültiger abZ für den Verwendungszweck, passender VLT-Wert für den geplanten Raum und ein Fachbetrieb mit BIPV-Erfahrung. Wer diese drei Punkte sorgfältig klärt, vermeidet die häufigsten Fehler bei der Umsetzung.
Dieser Artikel ist redaktionell mit journalistischem Handwerk und etwas KI-Unterstützung erstellt worden.




























